, Maintz Dieter

Aachener Zeitung 01.06.2026

Crescendo entfacht emotionales Klangfeuer

Der Chor aus Kreuzau zeigt am Samstagabend trotz großer Hitze ein abwechslungsreiches Programm aus Pop, Gospel und Musical.

Die intensive Darbietung begeistert das Publikum.

KREUZAU Sie sind einfach brillant, diese Sängerinnen und Sänger, die am Samstagabend als Crescendo-Chor ihr Jahreskonzert präsentierten. Vor ausverkauftem und begeistertem Haus in der Festhalle Kreuzau sangen sie sich in die Herzen und Ohren ihrer Gäste. Und das, obwohl es unglaublich heiß war im Saal. „Herzlich willkommen zu unserem Sauna-Konzert", begrüßte Dieter Döppengießer, der als Moderator für den erkrankten Pit Kaestner eingesprungen war, dann auch die Konzertbesucher. Lachend fügte er hinzu: „Nächstes Jahr bieten wir euch dann auch noch einen Aufguss dazu an." Trotz neuer erster Sopranistin (Esther Stückgen) war der Chor, so erzählte er, an diesem Abend nicht ganz vollständig. 15 statt 17 Sängerinnen und Sänger traten auf.

Sie interpretierten eine mitreißende und bewegende Mischung aus weltlichen Popsongs und geistlichen Liedern. Einige Beispiele: „Don't let the sun go down on me" von Elton John wurde bei den Crescendos ein beeindruckendes Duett. Diesmal nicht zwischen Elton John und George Michael, sondern zwischen Wolfgang Nolden und Daniel Bachtenkirch - vor der swingenden Soundkulisse der anderen Chormitglieder. Musikalische Ausschnitte aus dem Musical
„Greatest Showman", Antikriegs-Lieder wie „You're the voice" von John Farnham gehörten ebenso zum Programm wie klassische Gospels. In ihren orangefarbenen Roben sangen sie "Come, now is the time to worship" von Brian Doerks oder Jackie Wilsons spirituellen Hit „Higher and Higher" aus den 1960er Jahren. Bevor „Wade in the water", ein afroamerikanisches Spiritual aus dem 19. Jahrhundert, angestimmt wurde, machte Döppengießer auf dessen Geschichte aufmerksam. Die Aufforderung „Wade in the water" gab entflohenen Sklaven den Tipp, ihre Spuren im Wasser vor den Spürhunden zu verwischen. Gleichzeitig zitiere es die Bibel und nehme Bezug auf den Auszug der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten. Diese inhaltliche Schnittstelle zwischen Leben und Glauben interessiert die Mitglieder des Kreuzauer Chores ganz besonders. Vielleicht ist das auch ein Teil des Geheimnisses, warum dieser Chor so außerordentlich gut ist. Er ist als Klangkörper einfach immer auf der Suche nach Glaubwürdigkeit - nach Aussagen, die es wert sind, sie zu Gehör zu bringen. Unterstützt werden sie dabei von einer durchdachten Lichtdramaturgie unter der Leitung von Dieter Maintz, die ganz dem Crescendo-Motiv folgt: „Von leise zu laut" wird optisch passend zu „von dunkel zu hell" übersetzt. Wenn ein guter Chor darüber hinaus geprägt ist durch die Kombination musikalischer Präzision, starker Teamfähigkeit und einer inspirierenden musikalischen Leitung dann ist Crescendo ein überragender Chor. Wie inspirierend Sabrina Pelzer, die musikalische Leiterin, ist, spürt man sofort. Sie dirigierte mit vollem Körper- und Mimikeinsatz, freute sich
über jede besonders gut gelungene Stelle im Song, applaudierte ihren Sängern zwischen durch und ging einfach komplett in der Musik auf. Diese Hingabe zur Musik zeigte die diplomierte Musikerzieherin, Chorleiterin und Sängerin auch in ihrem Solo „Mon cœur s'ouvre à ta voix", zu Deutsch „Mein Herz öffnet sich deiner Stimme", das sie sang, während die Chormitglieder in ihre Roben schlüpften. Die Handlung basiert auf dem biblischen Buch der Richter. Die weltliche Komponente lieferte Pelzer in ihrer Anmoderation. Sie widme das Lied an diesem Abend ihren Eltern und deren 50. Hochzeitstag.
Die positive Energie, die von allen Sängerinnen und Sängern einzeln und als Ensemble ausgeht, übertrug sich auch auf die Gäste, die - wie bei den Crescendos gewohnt - ein absolut überragendes Chorerlebnis auf Profinniveau erlebten.

Anke Holgersen